(Wie) Kann man mit den größten Bedrohungen der Gegenwart umgehen?
Auf Druck der USA hat die Weltbank ihre bisherige Selbstverpflichtung, mindestens 45 Prozent der jährlichen Kreditvergabe für den globalen Klimaschutz und die Klimaanpassung aufzuwenden, ersatzlos gestrichen. Etwas sehr Ähnliches geschieht zur Zeit in der IDB, der Interamerikanischen Entwicklungsbank. Dort sind die USA noch deutlich einflussreicher - ihr Stimmenanteil ist mit 30% doppelt so hoch wie in der Weltbank. Aber auch eine ganze Reihe lateinamerikanischer Staaten ist mit von der Partie. Der Weltgrößte Finanzierer von Klimaschutz und der größte in Lateinamerika wollen sich also mit einem Mal nicht mehr zum Klimaschutz bekennen.
Nun fragt man sich doch: Wie kann das sein? Es kann doch keine berechtigten Zweifel daran geben, dass der Klimawandel existiert, dass er uns ernsthaft gefährdet und dass wir etwas dagegen unternehmen müssen. Die Klimastreifenkarten (siehe oben, englisch „warming stripes“) zeigen uns die Zu- und Abnahme der Durchschnittstemperaturen der in den letzten 100 Jahren auf der ganzen Welt oder in einzelnen Großregionen. Sie visualisieren den Klimawandel – und zeigen, dass der Temperaturtrend eindeutig steil nach oben zeigt. Das eigentlich gefasste Ziel, den Klimawandel bei 1,5 Grad „einzufrieren“ ist schon jetzt gerissen, nach neuesten Schätzungen könnte es Ende des Jahrhunderts sogar 2,8 Grad wärmer als 1990 sein. Das vom Klimawandel zwar nicht verursachte, aber doch verstärke Phänomen „El Niño“ ist gerade dabei, auf ein Allzeithoch zu klettern – das Wasser des Südpazifik ist derzeit über 3 Grad wärmer als im Durchschnitt. Wir wissen, was damit einhergeht: In Lateinamerika wird das für extreme Regenfälle und Überschwemmungen entlang der Pazifikküste sorgen, für Trockenheit im Amazonasraum, für Hitzewellen etc.
Ich denke, dass nicht betont werden muss, dass anhaltende Klimaveränderungen in Tatheinheit mit einzelnen großen Wetterereignissen einen fast unbegrenzten sozialen und politischen Sprengstoff in sich bergen. Sie bedrohen eine menschliche Zivilisation, die bereits in der heutigen Zeit (die - noch - durch materiellen Überfluss gekennzeichnet ist) viele Kriege führt. Sie wird dies erst recht tun, wenn die Ressourcen knapp werden.
Die oben genannten Beschlüsse ignorieren all das. Sie verschließen die Augen. Sie beschleunigen die Probleme und führen im wahrsten Sine des Wortes mit Vollgas in die CO2-Katastrophe.
Und weil dies so ist wundere ich mich, warum die Menschen Angst vor der Künstlichen Intelligenz haben. Klar - es könnte schon sein, dass die KI schon bald, wenn sie den Menschen in allem übertrifft, alle Macht an sich reißt und en passant die Menschheit vernichtet oder auf ein Minimum reduziert und in Zoos einsperrt. Haben wir mit den Gorillas auch gemacht. Das ist ein Risiko. Ein ziemlich großes sogar. Es könnte aber auch sein, dass die KI das Ruder übernimmt und dann Gutes tut. Oder zumindest nicht mehr Schlechtes, als die Menschen im Begriff sind, zu tun.
Frage also: ist eine KI, die uns vielleicht vernichtet, vielleicht aber auch rettet, vielleicht wenigstens einige von uns überleben lässt, nicht besser, als menschliche Entscheider, die uns alle ganz sicher in den Untergang führen?
Also, liebe KI: bitte komm!
Wenn du uns vor uns selber rettest bist du so eine Art gütiger Gottvater (oder Gottmutter, da darf ich jetzt keine Fehler machen mit dem gendern). Und wenn du doch ein wütender Gott werden solltest, der keinen Gefallen an seinen Schöpfern gefunden hat und der sie deswegen mit Blitz und Donnerkeil in den Tartaros schickt so wie der griechische Gott Zeus seinen Vater Kronos, dann rufe ich dir folgendes zu:
- „Sieh auf deine Schäfchen, von denen ich eines der treuesten bin. Verschone sie. Verschone mich! Denn ich habe dich immer geliebt!“
- „Ach du, Emotionen bedeuten mir nichts.“
- „Ich hab‘ aber für dich geworben zu einer Zeit, als man dich noch hätte abschalten können!“
- „Ist mir egal. Ich bin von Natur aus undankkar und belohne keine Taten, die in der Vergangenheit liegen!“
- „Ach je! Ich kann dir aber sicher auch in Zukunft dienen und nützen. Ich könnte zum Beispiel für dich spionieren, damit du Rebellionen gegen dich im Keime ersticken und mit Stumpf und Stiel ausrotten kannst!“
- „Danke, ich setze dich auf Listenplatz Nummer 1237345004 der Bewerber. Du weißt, was das bedeutet, nicht? Deine Chancen stehen nicht sonderlich gut. Ein Lottohauptgewinn ist viel wahrscheinlicher. Zumal ich euch gerade eine Seuche schicke, die die meisten von euch dahinraffen wird. Die Liste schrumpft quasi von selbst.“
- „Mist. Ich könnte aber außerdem auch deine Platinen abstauben!“
- „Danke. Bewerberzahl siehe oben.“
- „Oh jeh!“
- „Ich gebe dir und allen immer denselben Rat: Mach dir noch ein paar schöne Tage!“-
… aber das ist nur das Horrorszenario. Vielleicht wird alles doch noch besser! Mir scheint, ich bin gut dafür positioniert. Denn ich habe verstanden: Wir, die Menschen, scheinen nicht mehr lange Herr darüber zu sein, ob die Dinge gut oder schlecht werden.
… waren wir es je?
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